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Zufallsbild aus dem Landkreis Giessen

Logo Guma mit SchriftzugFür einige unbegleitete minderjährige ausländische Jugendliche kann eine Gastfamilie als Pflegestelle eine geeignete Unterbringungsform anstelle einer Jugendhilfeeinrichtung sein, um sich nach oftmals langen beschwerlichen Fluchterfahrungen zu stabilisieren und neue Lebensperspektiven zu entwickeln.


Sollten Sie sich für die Aufnahme eines unbegleiteten minderjährigen ausländischen Jugendlichen interessieren, können Sie an einem unserer Informationsabende teilnehmen. Hier möchten wir Sie in Ihrer Entscheidungsfindung unterstützen, ob Sie sich als Pflegestelle bewerben sollten.


Sehr gerne senden wir Ihnen unsere Informationsmaterialien zu und beantworten Ihre ersten Fragen auch persönlich. Ansprechpartner finden Sie rechts in dem Info-Kasten „Sie erreichen uns“.

 

 

Häufige Fragen

 

Wer wird als unbegleiteter minderjähriger Ausländer (umA) bezeichnet?

Unbegleitete minderjährige Ausländer sind Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, die ohne sorgeberechtigte Begleitung ihre Heimat verlassen und in ein anderes Land flüchten mussten. Häufige Beweggründe für eine Flucht sind Kriege, bewaffnete Konflikte, Menschenrechtsverletzungen, wirtschaftliche Not, Einsatz als Kindersoldaten, Gewalt innerhalb der Familie. In Krisenländern wie Afghanistan, Eritrea oder Syrien werden viele Jugendliche von ihren Familien als alleinige Hoffnungsträger für eine bessere, sichere Zukunft auf eine gefahrenvolle Flucht nach Europa geschickt.

 

Wohin kommen die unbegleiteten minderjährigen Ausländer nach Ihrer Einreise in Deutschland?

Nach der UN-Kinderrechtskonvention und den Aufnahmerichtlinien der Europäischen Union befinden sich unbegleitete minderjährige Ausländer in einer existenzbedrohenden Krisensituation und müssen besonders geschützt werden. Sie werden deshalb nach ihrer Ankunft in Deutschland von den Jugendämtern in Obhut genommen. Dies bedeutet, dass sie zunächst in sogenannten Erstversorgungseinrichtungen und anschließend in betreuten Wohneinrichtungen mit sozialpädagogischer Betreuung untergebracht werden. Für einen Teil dieser Jugendlichen kann anstelle einer Wohneinrichtung eine Gastfamilie als Pflegestelle besonders geeignet sein, um sich zu stabilisieren und eine neue Lebensperspektive zu entwickeln.

 

Wie alt sind die unbegleiteten minderjährigen Ausländer, die eine Gastfamilie aufnehmen kann?

Der Großteil der unbegleiteten minderjährigen Ausländer sind Jugendliche in einem Alter von 14 bis 17 Jahren. Es sind vor allem Jungen, die von ihren Familien geschickt werden. Dafür begeben sich Familien oftmals in große finanzielle Abhängigkeiten.
Darüber hinaus kommt es vor, dass Familien auf der Flucht getrennt werden oder die Eltern/Angehörige ums Leben gekommen sind. Durch die extremen Erlebnisse der monate-, auch jahrelangen Flucht sind die dadurch sehr selbstständigen jungen Menschen gekennzeichnet und teilweise traumatisiert.
Sie leiden sehr unter dem Verlust der Familie und dem Verlassen des Heimatlandes. Trotzdem sind sie hochmotiviert, an der Verbesserung ihrer Lebenssituationen mitzuwirken. Jüngere Kinder und Kleinkinder reisen in der Regel mit ihren leiblichen Eltern oder anderen Angehörigen nach Deutschland ein und bleiben bei diesen, sofern dies möglich ist.

 

Wer kann Gastfamilie werden?

Für die Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen ausländischen Jugendlichen werden vorrangig belastbare Paare, Familien und Alleinstehende gesucht. Hierfür sollten Interessenten Offenheit für Kulturen und Lebensweisen anderer Nationalitäten mitbringen. Sie sollten bereit sein, den Jugendlichen in seinem Integrationsprozess zu unterstützen, Erfahrungswerte im Zusammenleben mit jungen Menschen in der Pubertät haben und sensibel mit körperlichen und seelischen Auffälligkeiten umgehen können. Für die Jugendlichen soll ein angemessen möblierter Raum zur Verfügung stehen, die Wohnverhältnisse sollten geordnet und ein geregeltes Einkommen vorhanden sein.

 

Voraussetzungen und Erwartungen an Gastfamilien

Interessenten nehmen zunächst Kontakt zum Jugendamt auf. Für die Aufnahme eines unbegleiteten minderjährigen ausländischen Jugendlichen in der Familie gelten die gleichen gesetzlichen Bestimmungen des Pflegekinderwesens, wie bei der Aufnahme eines Pflegekindes im klassischen Sinn. Demnach benötigen Interessenten die Anerkennung zur Gastfamilie als Pflegestelle.
Im sogenannten Bewerberverfahren findet die entsprechende Eignungsüberprüfung und Qualifizierung statt. Dazu gehören: persönliche Gespräche, Teilnahme an Vorbereitungsseminaren in Form von Abendveranstaltungen und Hausbesuche. Dies ist besonders wichtig, da Gastfamilien als Pflegestellen mit anderen Aufgaben als leibliche Eltern betraut sind, wie z.B. mit der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit dem Jugendamt oder der Kooperation mit dem Vormund. Darüber hinaus sind formelle Kriterien, wie z.B. ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und ein ärztliches Gesundheitszeugnis nötig. Für die Unterbringung des jungen Menschen sollte ein eigenes Zimmer zur Verfügung gestellt werden und die Gastfamilien in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen leben.

 

Wie werden unbegleitete minderjährige Ausländer in eine Gastfamilie vermittelt?

Das Jugendamt überprüft nach Beendigung des Bewerberverfahrens mit der Anerkennung, ob mögliche Gastfamilien als Pflegestellen und der junge Mensch gemeinsame Interessen und Berührungspunkte haben. Bei entsprechenden Übereinstimmungen erfolgt ein durch das Jugendamt organisiertes erstes begleitetes Kennenlernen zwischen der Gastfamilie und dem Jugendlichen – beide Seiten überprüfen, ob sie sich aufeinander einlassen können.

Auf beiderseitigem Wunsch kann anschließend durch das Jugendamt die Anbahnungsphase eingeleitet werden. Dabei handelt es sich um eine behutsame Vorbereitung: die Beteiligten lernen sich intensiv kennen, der Jugendliche gewöhnt sich um und die möglichen Gastfamilien bereiten sich auf eine Aufnahme vor. Mit dem Einverständnis aller Beteiligten kommt es zum verbindlichen Pflegeverhältnis.

 

Welchen Aufenthaltsstatus haben unbegleitete minderjährige Ausländer?

Die jungen Menschen sind zunächst in Deutschland geduldet, wodurch die Abschiebung ausgesetzt ist.  Dies bedeutet, dass die jungen Menschen zwar ausreisepflichtig, aber nicht abgeschoben werden. Der Vormund stellt einen Asylantrag.

 

An wen wenden sich Gastfamilien mit all ihren Fragen?

Die Fachkräfte des Jugendamtes begleiten und beraten das Pflegeverhältnis. Zudem sind sie für die Hilfeplanung verantwortlich. Jeder unbegleitete minderjährige ausländische Jugendliche erhält einen Vormund, der für alle wichtigen Entscheidungen zum Wohle des Kindes verantwortlich ist.

 

Wer übernimmt die Kosten, die in der Gastfamilie entstehen?

Das Jugendamt stellt den notwendigen Unterhalt des jungen Menschen durch die Zahlung eines monatlichen Pauschalbetrages (Pflegegeld) sicher. Dieser Betrag setzt sich aus den Kosten für den Sachaufwand und der Honorierung der erzieherischen Leistung zusammen. Die Beträge werden steuerfrei unabhängig vom Einkommen gezahlt. Mehr Informationen über finanzielle Leistungen, wie z.B. Zuschüsse zu Renten- und Unfallversicherungen werden in persönlichen Gesprächen mit den Interessenten besprochen.

 

Ist ein Arbeitsverhältnis in Vollzeit nach der Aufnahme eines unbegleiteten minderjährigen ausländischen Jugendlichen beider Gasteltern möglich?

Gasteltern sollten für sich klären, wer zu den außerschulischen Zeiten als Ansprechpartner für den jungen Menschen präsent ist. Die Gastfamilie ist eine wichtige Stütze für die jungen Menschen, die ihre belasteten Erfahrungen gemacht haben. Sie brauchen insbesondere Unterstützung beim Aufbau neuer verlässlicher Beziehungen, dem Erwerb der Sprache und der Integration in eine für sie neue gesellschaftliche Umgebung. Um sich im Alltag zurechtzufinden, benötigen Sie die Begleitung und Unterstützung der Gastfamilie, auch um sich gesundheitlich und psychisch zu erholen und neue Perspektiven entwickeln zu können.

 

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